Q&A mit Marty Roberts, Experte der Unfallreparaturbranche
Mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Unfallreparatur bringt Marty Roberts, Qualitätscoach bei OEC, umfassendes Branchenwissen in seine Aufgabe ein, Werkstätten dabei zu helfen, ihre Prozesse zu verfeinern, ihre Effizienz zu steigern und ihre Rentabilität zu erhöhen.
In diesem Gespräch teilt Marty zentrale Erkenntnisse zu den Herausforderungen in Werkstätten, zur Prozessverbesserung und zur Wirkung von Qualitätscoaching.
Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Werdegang und wie Sie in die Unfallreparaturbranche gekommen sind.
Ich bin mit 14 Jahren im Karosseriegeschäft eingestiegen und habe in der Werkstatt meines Vaters gearbeitet. Nach fünf Jahren entschied er sich, die Branche zu verlassen, und mit 19 habe ich seine Karosseriewerkstatt übernommen. Daraus habe ich vier Karosseriewerkstätten und ein grosses Abschlepp- und Bergungsunternehmen in Albany, NY, aufgebaut. Rund 20 Jahre lang waren wir der grösste Abschleppdienstleister für das New York State Thruway System, und ich habe ausserdem ein Franchiseunternehmen für die Reparatur und den Verkauf von Feuerwehrfahrzeugen geführt.
Schliesslich habe ich die Unternehmen verkauft und danach fünf Jahre lang landesweit Karosserie- und Abschleppunternehmen übernommen. Nach meinem Umzug nach Ohio arbeitete ich mit einem grossen herstellerzertifizierten Karosserienetzwerk zusammen und sammelte Erfahrung mit den Zertifizierungen von BMW, Lexus, Toyota, Ford, GM, Chrysler und Volkswagen. Später zog ich nach Florida und stieg bei SCI ein, das später von OEC übernommen wurde. Seitdem arbeite ich mit Werkstätten zusammen und helfe ihnen, ihren Betrieb neu aufzustellen, Prozesse zu verbessern und Gewinne zu steigern.
Was sind heute die grössten Herausforderungen für Karosseriewerkstätten?
Eine der grössten Schwierigkeiten ist es, Prozesse dauerhaft konsequent einzuhalten. Viele Werkstätten investieren in neue Werkzeuge und Software, tun sich ohne ein solides Fundament aber schwer damit, sie zu integrieren. Meist kaufen die Leute neue Technik, nutzen sie eine Weile und hören dann wieder auf. Das Problem ist häufig, dass die Grundlagen fehlen. Wenn die zentralen Abläufe im Betrieb schwach sind, wird auch die beste neue Technik das nicht beheben.
Werkstätten, die auf Schulungen & strukturierte Prozesse setzen, können die Reparaturqualität deutlich verbessern, Nacharbeit reduzieren und die Rentabilität steigern
Eine weitere Herausforderung ist es, die Wissenslücke zwischen Werkstattinhabern, Technikern und Führungsebene zu schliessen. Viele Führungskräfte haben ihre gesamte Laufbahn in der Unfallreparatur verbracht, aber nie eine formale betriebswirtschaftliche Ausbildung erhalten. Was funktioniert, ist ein bescheidener, praxisnaher Ansatz. Wenn Sie mit offenem Blick in die Werkstätten gehen, zeigen sie Ihnen selbst, wo sie Unterstützung brauchen. Werkstätten, die auf Schulungen und strukturierte Prozesse setzen, können die Reparaturqualität deutlich verbessern, Nacharbeit reduzieren und die Rentabilität steigern.
Wie gehen Sie beim Coaching vor und wie helfen Sie Werkstätten, ihre Abläufe zu verbessern?
Ich glaube daran, ganz unten anzufangen und sich nach oben zu arbeiten. Ich nenne das den „Wachsmalstift-Ansatz“ – dabei geht es darum, herauszufinden, wer zum Kugelschreiber heranwächst und wer bereit für den Computer ist. Nicht alle bringen dieselbe Erfahrung oder denselben sicheren Umgang mit neuen Prozessen mit; es geht also darum, sie in ihrem eigenen Tempo zu begleiten.
Wie hoch ist Ihr durchschnittlicher Reparaturauftrag?
Wie hoch ist Ihr effektiver Stundenverrechnungssatz?
Wie hoch ist Ihr monatliches Volumen?
Wie sieht Ihr Keys-to-Keys-Prozess aus?
Von dort aus bilden wir den Arbeitsablauf ab, identifizieren Engpässe und bauen ein System auf, das zum jeweiligen Betrieb passt.
Können Sie ein Beispiel für eine Werkstatt nennen, die sich nach der Zusammenarbeit mit einem Qualitätscoach deutlich verbessert hat?
Eines der besten Beispiele ist eine Werkstatt in Georgia, mit der ich gearbeitet habe. Sie hatten einen brandneuen Betrieb, aber null Prozesse. Der Leiter kam aus dem Servicebereich, nicht aus der Unfallreparatur, und tat sich schwer damit, das Geschäft zu skalieren. Ihre Margen waren niedriger, als sie hätten sein sollen, und im Betrieb herrschte Chaos. Zuerst haben wir das Werkstattlayout für mehr Effizienz neu geordnet und einen strukturierten Prozess für die Erstellung von Kostenvoranschlägen, für die Reparaturen und für die Qualitätskontrolle aufgebaut. Anschliessend haben wir das Team bewertet, um sicherzustellen, dass die richtigen Personen in den richtigen Rollen sind, und klare Leistungsziele für jede Position festgelegt. Das Ergebnis? Im vergangenen Monat meldete die Werkstatt die höchste Bruttomarge seit ihrer Eröffnung. Die Abläufe laufen jetzt rund, die Quote der Nacharbeiten ist drastisch gesunken und die Finanzen sind endlich im Griff.
Welchen Rat würden Sie einem Werkstattinhaber geben, der sein Geschäft ausbauen möchte?
Schauen Sie sich Ihre Werkstatt ehrlich an und fragen Sie sich, ob es Bereiche gibt, in denen Sie Verbesserungsbedarf sehen, ob strukturierte Prozesse vorhanden sind, die Ihr gesamtes Team befolgt, und ob Sie das Beste aus den verfügbaren Werkzeugen und
Ressourcen herausholen. Ein zweites Paar Augen kann ungemein hilfreich sein. Viele Werkstattinhaber stecken so tief im Tagesgeschäft, dass sie die Lücken in ihrem Betrieb nicht sehen. Ein guter Coach erkennt Blind-Spots, liefert umsetzbare Strategien und hilft dabei, einen tragfähigen Plan für langfristigen Erfolg zu entwickeln.
„Werkstätten, die beim Coaching dranbleiben, verändern ihre Arbeitsweise vollständig“
Welchen Wert hat fortlaufendes Coaching?
Fortlaufendes Coaching macht den entscheidenden Unterschied, wenn es um echte, dauerhafte Verbesserungen geht. Es geht nicht nur darum, ein Problem zu beheben und dann weiterzuziehen. Es geht darum, am Ball zu bleiben, Prozesse ständig zu verfeinern und sich auf jede neue Herausforderung einzustellen. Werkstätten, die beim Coaching dranbleiben, bekommen nicht nur eine schnelle Lösung … sie verändern ihre Arbeitsweise vollständig. Regelmässige
Abstimmungen halten alle in der Verantwortung, helfen dabei, neue Gewohnheiten zu festigen, und erleichtern es, Arbeitsabläufe anzupassen, während sich das Geschäft weiterentwickelt. Mit der Zeit führt diese Beständigkeit zu mehr Effizienz, hochwertigeren Reparaturen und einem besseren Ergebnis.
Lernen Sie den Experten kennen
Mit über 45 Jahren in der Unfallreparaturbranche kennt Marty Roberts jeden Bereich des Geschäfts – von der eigenen Werkstatt über Übernahmen im grossen Stil bis hin zur Beratung. Er hat mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut und verkauft, darunter den grössten Abschlepp- und Bergungsdienst des Bundesstaates New York. Als Qualitätscoach von OEC arbeitet Marty eng mit Werkstattinhabern zusammen, um Abläufe zu straffen, die Rentabilität zu verbessern und nachhaltige Prozesse einzuführen. Bekannt für seinen praxisnahen Ansatz und sein tiefes Branchenwissen, hilft Marty mit grosser Leidenschaft dabei, dass Karosseriewerkstätten langfristigen Erfolg aufbauen.